Patientenverfügung aktuell

In den letzten Wochen nahmen wir verstärkt Nachfragen zu Patientenverfügungen (PV) wahr, die aus Verunsicherung durch das aktuelle Geschehen resultierten. Einerseits schilderten Menschen die Sorge, dass sie aufgrund einer PV keine intensivmedizinische Behandlung und Beatmung erhalten könnten, falls sie an Covid-19 erkranken. Andere befürchten, dass sie in diesem Fall beatmet werden, obwohl sie per PV dies für bestimmte Situationen ausgeschlossen haben.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung müssen Ärzte zwei Kriterien beachten: die genaue Indikationsstellung mit Hinblick auf den zu erwartenden Therapieerfolges und den Patientenwillen. Solange der Patient selbst entscheidungs- und einwilligungsfähig ist, wird der Arzt sein geplantes Vorgehen mit ihm besprechen. Sollte das nicht möglich sein muss an Stelle des Patienten die Entscheidung durch einen Bevollmächtigten erfolgen. Dieser sollte daher sehr genau wissen, wie der Behandlungswunsch des Patienten für bestimmte Situationen aussieht, damit er in dessen Sinne der Therapie zustimmen kann oder aber sie ablehnen muss.

Die in einer PV festgelegten Therapiebegrenzungen sind in der Regel für aussichtslose Situationen (wie den eingesetzten Sterbeprozess oder das Endstadium einer nicht mehr heilbaren und tödlich verlaufenden Erkrankung) verfügt. Solange eine realistische Heilungschance besteht, werden hingegen die vorhandenen medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft, wenn dies so gewünscht wurde. Das gilt auch, wenn dieser Patient an Covid-19 erkrankt.

Eine künstliche Beatmung kann lebensrettend sein, stellt aber auch einen schwerwiegenden medizinischen Eingriff dar mit teils gravierenden Folgen. Schwere Vorerkrankungen erhöhen das Risiko, dass der Patient eine Beatmungstherapie nicht überlebt oder dauerhafte Schäden erleidet, die zu kompletter Pflegebedürftigkeit durch Schwerstbehinderung, kognitiven Einschränkungen oder neuromuskulären Schäden führen. Bei einigen Patienten ist eine dauerhafte Beatmung, oft in einer speziellen Pflegeeinrichtung, nötig. Ein Leben wie vor der Erkrankung gibt es demnach in einem solchen Fall nicht mehr.

Alternativ zur intensivmedizinischen Behandlung ist auch bei Covid-19- Erkrankung eine palliativmedizinische Versorgung möglich. Dabei geht es nicht um Heilung, sondern um die Linderung der Symptome. Dem Patienten werden Medikamente verabreicht, die Atemnot und Husten, Schmerzen und Angst nehmen oder zumindest deutlich lindern. Dafür müssen Erkrankte nicht zwingend in einer Klinik aufgenommen werden, diese Begleitung ist ebenso (unter entsprechenden Hygienemaßnahmen) zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen möglich. Die Teams der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) können den Hausarzt dabei unterstützen. Damit bleibt der Patient in seiner gewohnten Umgebung, kann seine Angehörigen oder die vertrauten Pflegepersonen um sich haben.

In der Patientenverfügung muss bezüglich Covid-19 eigentlich keine Ergänzung vorgenommen werden. Wichtig ist generell, dass aus den Unterlagen ganz klar hervorgeht, wie der Patientenwille lautet, in welchen Situationen welche Behandlung gewünscht ist oder abgelehnt wird. In einer vorhandenen PV sollten die Formulierungen dahingehend also überprüft werden. Insbesondere müssen konkrete Aussagen zu den Themen künstliche Ernährung, Wiederbelebung und künstliche Beatmung enthalten sein.

Wir alle sollten uns fragen, was für uns selbst lebenswertes Leben bedeutet, welche körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen für uns akzeptabel wären. Bei der Entscheidungsfindung kann die Beratung durch den Hausarzt oder behandelnden Facharzt hilfreich sein, da er die Vorerkrankungen kennt und Risiken bestimmter (intensiver) Therapien beurteilen kann. So können auch individuelle Behandlungsziele festgelegt werden.

Wer dennoch das Bedürfnis hat, in seiner Patientenverfügung auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung einzugehen, kann ergänzend Handlungsanweisungen hierfür einfügen. Entsprechende Formulierungen sind beispielsweise:

„Im Fall einer Erkrankung an Covid-19 wünsche ich die Ausschöpfung aller sinnvollen, erfolgversprechenden intensivmedizinischen Maßnahmen.“

„…wünsche ich die Gabe von Sauerstoff, jedoch keine invasive Beatmung.“

„Ich wünsche zunächst eine intensivmedizinische Behandlung. Bei fehlendem Therapieerfolg, Komplikationen oder Multiorganversagen verlange ich den Abbruch dieser Maßnahmen und eine ausschließliche palliativmedizinische Begleitung mit Symptomkontrolle.“

„Bei einer Covid-19-Erkrankung wünsche ich eine ausschließliche palliativmedizinische Behandlung zur Symptomlinderung. Wenn möglich soll diese in meiner gewohnten Umgebung erfolgen.“

Mit einer aussagekräftigen Patientenverfügung geben wir vor allem unseren Angehörigen/Bevollmächtigten ein sicheres Instrument zur Entscheidungsfindung in die Hand und entlasten sie damit auch in einer eventuell auftretenden schwierigen und extremen Situation.  Kerstin de Schultz, Palliativfachkraft und Koordinatorin

 

Wir vom Hospiz Verein Leipzig e.V. beraten und begleiten

Menschen und ihre Angehörigen in ihrem Zuhause.

 

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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Niemand weiß, in welche Situationen ihn Krankheit, Alter oder Unfall bringen können. Deshalb wollen immer mehr Menschen in Ruhe überlegen, welche medizinischen Behandlungen noch vorgenommen werden sollen, wenn sie dies selbst nicht mehr entscheiden können.

Der Hospiz Verein Leipzig e.V. bietet regelmäßig Informationsveranstaltungen zu den Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung an.

Die Termine erfahren Sie telefonisch, auf unserer Homepage und in unserem Schaukasten.

Die Mitarbeiterinnen des ambulanten Hospizdienstes beraten Sie bei Bedarf auch im persönlichen Gespräch.

Entsprechende Formulare halten wir für Sie gegen eine geringe Schutzgebühr bereit.

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